Ich will dich nah, aber nicht zu nah
Tiefe emotionale Verbindung ist ein elementares menschliches Grundbedürfnis. Doch für Menschen, die früh traumatische Bindungserfahrungen gemacht haben, wird dieser Wunsch oft zu einem schmerzhaften Drahtseilakt. Die Sehnsucht nach Nähe steht im ständigen Konflikt mit dem tief verwurzelten Bedürfnis nach Schutz und Sicherheit. Dieses komplexe Phänomen, das sich oft als ständiger Wechsel zwischen Anziehung und Abstoßung manifestiert, kennen wir als „Push-Pull-Dynamik“.
Der innere Konflikt: Trauma und die Nähe-Distanz-Regulation
Menschen, deren frühe Beziehungen von Vernachlässigung oder Missbrauch geprägt waren, entwickeln oft extreme Reaktionen auf Intimität:
Intensive Nähe suchen (Push): Die Sehnsucht nach Geborgenheit und emotionaler Korrektur ist übergroß. Sie suchen intensiv, was Ihnen in der Vergangenheit verwehrt blieb, oft mit der unbewussten Hoffnung, die alte Wunde endlich zu schließen.
Plötzliche Distanz schaffen (Pull): Sobald die Nähe zu intensiv wird, meldet sich das alte Nervensystem. Intimität wird unbewusst mit Kontrollverlust, Schmerz oder Gefahr gleichgesetzt. Der Rückzug (oder die Abstoßung des Gegenübers) dient als Schutzmechanismus, um sich vor drohendem emotionalem Schmerz zu bewahren.
Dieses traumatische Beziehungsmuster macht stabile zwischenmenschliche Beziehungen extrem schwierig. Das Herz sehnt sich, während das Nervensystem Alarm schlägt.
Der Schlüssel zur Heilung: Akzeptanz und professionelle Begleitung
Es ist wichtig zu verstehen, dass diese Nähe-Distanz-Konflikte keine Charakterschwäche sind, sondern normale Reaktionen auf nicht-normale, traumatische Erlebnisse. Die gute Nachricht ist: Diese Muster sind veränderbar.
Die Heilung erfordert eine behutsame therapeutische Arbeit, um die zugrunde liegenden Emotionen und Glaubenssätze zu identifizieren. Ziel ist es nicht, die Angst einfach zu unterdrücken, sondern eine neue, gesunde Bindungsfähigkeit aufzubauen:
Das Muster erkennen: Das Bewusstmachen der eigenen Dynamik ist der erste Schritt zur Veränderung.
Emotionen validieren: Die Angst vor Nähe darf da sein und braucht feinfühlige Einstimmung und keine Verurteilung.
Grenzen neu definieren: Gesunde Grenzen lernen, die sowohl Sicherheit als auch Erfüllung ermöglichen.
Ziel der therapeutischen Begleitung ist es, eine Balance zwischen Nähe und Distanz zu finden, sodass Beziehungen nicht nur erfüllend, sondern vor allem sicher erlebt werden.
Die Heilung des Bindungstraumas ist der Schlüssel zu stabileren Beziehungen. Wenn Sie bereit sind, diese Muster zu durchbrechen, ist die Therapie ein liebevoller und wichtiger Schritt. Auf diesem Weg begleite ich Sie als spezialisierte Traumatherapeutin gerne.

