Verletzlichkeit aus traumasensibler Sicht

Für Menschen mit traumatischen Erfahrungen ist Verletzlichkeit oft besonders herausfordernd, aber auch heilsam.

Warum Verletzlichkeit für Traumatisierte schwierig sein kann:

  • Verletzlichkeit fühlt sich riskant an: Traumata verursachen oft tiefe Verletzungen des Vertrauens. Sich öffnen bedeutet, wieder „angreifbar“ zu sein, was Ängste und Schutzmechanismen aktiviert.

  • Schutzmechanismen: Viele Traumatisierte haben gelernt, Gefühle zu unterdrücken oder sich emotional abzuschotten, um nicht erneut verletzt zu werden.

  • Trigger-Gefahr: Offenheit kann traumatische Erinnerungen oder starke Emotionen aktivieren, die schwer auszuhalten sind.

Warum Verletzlichkeit für die Heilung so wichtig ist:

  • Sich zeigen und angenommen fühlen: Verletzlichkeit ermöglicht, sich trotz der Wunden gesehen und akzeptiert zu fühlen. Das ist ein wichtiger Schritt zur Heilung.

  • Vertrauen neu aufbauen: Durch kontrolliertes Öffnen können neue, sichere Bindungen und Beziehungen entstehen.

  • Selbstakzeptanz fördern: Verletzlichkeit unterstützt, sich selbst liebevoll mit all seinen Verletzungen anzunehmen.

  • Traumaarbeit: Viele therapeutische Methoden (z.B. EMDR, Gesprächstherapie) arbeiten mit dem sicheren Zulassen von Gefühlen und damit auch von Verletzlichkeit.

Tipps für traumasensible Verletzlichkeit:

  • Langsam und behutsam vorgehen: Verletzlichkeit sollte in einem sicheren Umfeld und in eigenem Tempo geübt werden.

  • Sich selbst regulieren lernen: Atemübungen, Achtsamkeit oder Bodyscan helfen, bei starken Emotionen im Hier und Jetzt zu bleiben.

  • Professionelle Begleitung: Therapie oder Trauma-sensible Beratung kann helfen, Verletzlichkeit gut zu integrieren und Trigger zu verstehen.

  • Klare Grenzen setzen: Offenheit darf nie zu Überforderung führen, die eigene Sicherheit steht immer an erster Stelle.

  • Vertrauenswürdige Menschen: Wichtig ist ein unterstützendes Umfeld, das Verständnis zeigt und keine Bewertung vornimmt.

Verletzlichkeit ist für traumatisierte Menschen eine Gratwanderung zwischen Risiko und Heilung. Mit Unterstützung, Selbstfürsorge und einem sicheren Umfeld kann sie jedoch zu einem starken Werkzeug auf dem Weg zur Integration und inneren Freiheit werden.

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